Mein ältester Sohn (heute 11) wollte mit sechs Jahren Weihnachtsmann werden – und war überzeugt davon, dass es genau der richtige Job für ihn sei: Er säße an der Quelle für Kinderfahrräder und Star Wars-Lego, macht Menschen glücklich, arbeitet nur einen begrenzten Zeitraum im Jahr und kennt kein Verfallsdatum. Als Mutter unterstütze ich seine Pläne selbstverständlich. Was wolltest du damals werden – wenn du mal groß bist?

Andere Kinder träumen davon, Feuerwehrmann zu sein, um auf abenteuerlichste Weise mit dem lauten roten Auto zu fahren. Oder Prinzessin, um in den schönsten Kleidern herumzustolzieren. Oder auch Astronaut, um zum Mars zu fliegen. Noch nie habe ich aus einem Kindermund Kaufmann im Einzelhandel, Kauffrau für Büromanagement oder VerkäuferIn gehört – Berufe, die zu den beliebtesten in Deutschland gehören.

Was passiert zwischen Kindheit und Erwachsenwerden mit unseren Träumen? In der Schule lernen wir zu analysieren, zu interpretieren und größtenteils logisch zu denken. Unsere linke Gehirnhälfte wird geschult. Das ist gut und wichtig, um rationale Entscheidungen treffen zu können und Wissen zu erlangen. Im Laufe des Lebens verlieren manche Menschen den Draht zu ihrer emotionalen Seite. Sie bezeichnen sich als Kopfmenschen. 80 Prozent ihrer Entscheidungen fällen sie nach dem Verstand. Sie handeln überlegt und ziehen sie sich gerne zurück, wenn sie mit Gefühlen konfrontiert werden – schließlich fällt es ihnen schwer, auf dieser Ebene zu antworten. Häufig können sie als Planer ihre äußere Welt organisieren, aber es fehlt an innerer Orientierung. Ein Ungleichgewicht zwischen emotionalen und kognitiven Kompetenzen kann verletzlich, hilflos, sogar neurotisch machen.

Das Zusammenspiel von Denken und Fühlen bestimmt unser Erleben. Beides gehört – logischerweise – zum Menschsein dazu. Wer sein intuitives Wissen mit seinen geistigen Fähigkeiten in eine gesunde Balance bringt, ist sicher und selbstbewusst. Es ist wichtig, die eigenen Bedürfnisse zu hinterfragen und auszuleben. „Leben ist nicht genug, sagte der Schmetterling. Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume gehören auch dazu“, beschreibt es Hans Christian Andersen. Es gilt, eingefahrene Denkmuster zu verändern, um sich weiter zu entwickeln und sich frei zu fühlen. Ja, es kann sein, dass du irgendwann vor einem Wendepunkt in deinem Leben stehst. Dann frage dich wie damals: Was will ich werden, wenn ich groß bin? Lass` dir von deinen Gefühlen den Weg weisen und nutze den Denker als Wegbereiter.

PS: Das mit dem Ausbildungsplatz für den Weihnachtsmann im Jahr 2026 hat sich erledigt. Jetzt ist der YouTuber angesagt. Gab es in unserer Kindheit auch noch nicht…

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